25. August 2026: Erstes Online-Verbundtreffen
Forschung braucht Vertrauen: Daten, Recht und Zusammenarbeit in GenDiMedNet
Wie lassen sich wissenschaftliche Zusammenarbeit, offene Forschungsprozesse und der verantwortungsvolle Umgang mit Daten rechtssicher miteinander verbinden? Dieser Frage widmet sich GenDiMedNet im gemeinsamen Austausch von Projektträger, Datenforschung, Rechtswissenschaft und den Forschungsprojekten.
Im Mittelpunkt steht dabei eine einfache, aber entscheidende Erkenntnis: Gute Forschung entsteht nicht allein durch gute Daten. Sie braucht auch klare Regeln, verlässliche Strukturen und ein gemeinsames Verständnis davon, wie Wissen geteilt, geschützt und weiterentwickelt werden kann.
Gemeinsam forschen – gemeinsam Verantwortung übernehmen
Den Auftakt bildet Dr. Bettina Schmietow mit aktuellen Informationen des Projektträgers. Im Fokus stehen die Zusammenarbeit von M1, M2 und M3 mit den Beirät:innen, Fragen der Offenlegung von Projektdaten sowie die Möglichkeit, Fördermittel gezielt für rechtliche Beratung einzusetzen.
Damit wird ein Thema sichtbar, das für einen großen interdisziplinären Forschungsverbund zunehmend an Bedeutung gewinnt: Transparenz und Schutz sind keine Gegensätze. Vielmehr braucht es Strukturen, die beides ermöglichen – wissenschaftliche Offenheit dort, wo sie sinnvoll und gewollt ist, und einen verantwortungsvollen Schutz sensibler Daten, Ideen und Rechte dort, wo er erforderlich ist.
Daten verbinden Perspektiven
Anschließend richtet sich der Blick auf die Datenforschung und gibt Einblicke in die Arbeit des Datenteams und zeigt, wie unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven zusammengeführt werden können.
Beteiligt sind Expert:innen aus der Berlin Charité, dem Berlin Institute of Health at Charité und der Universitätsmedizin Greifswald.
Dabei geht es nicht nur um technische Standards. Daten werden erst dann wirklich anschlussfähig, wenn auch ihre Entstehung, Bedeutung, Qualität und Kontext nachvollziehbar sind. Gerade in der geschlechtersensiblen Forschung ist diese Perspektive entscheidend: Welche Daten werden erhoben? Wie werden Geschlecht und Gender abgebildet? Welche Kategorien und Begriffe werden verwendet? Und wie können Ergebnisse über einzelne Projekte hinaus nutzbar werden?
Das Datenteam versteht sich deshalb als Schnittstelle zwischen den Projekten mit dem Ziel, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die wissenschaftliche Qualität, Nachvollziehbarkeit und langfristige Nutzbarkeit stärken.
Recht als Ermöglichungsstruktur
Dass interdisziplinäre Forschung auch rechtlich komplex sein kann, zeigen zwei Impulsvorträge aus dem Kreis der Beirät:innen von GenDiMedNet.
Prof. Dr. iur. Alexandra Jorzig stellt ihre Begleitung und Unterstützungsangebote vor und beleuchtet die rechtlichen Anforderungen interdisziplinärer Forschungszusammenarbeit.
Dabei stehen auch sehr konkrete Fragen aus den Projekten im Mittelpunkt: unter anderem zu Einverständniserklärungen innerhalb des großen Förderverbundes, etwa bei Präsentationen, Veröffentlichungen oder der Verwendung von Bildmaterial und Bildrechten.
Im Anschluss zeigt Rechtsanwältin Miriam Stüldt-Borsetzky, wie rechtliche Begleitung ganz praktisch in die Forschungsarbeit integriert werden kann. Am Beispiel von gEndurance geht es um die Zusammenarbeit mit M2 und M3 sowie um Fragen rund um NDA, geistiges Eigentum und Schutzrechte innerhalb der Konsortialverbünde.
Damit wird Recht nicht als nachgelagerte Kontrollinstanz verstanden, sondern als Teil einer verantwortungsvollen Forschungsarchitektur: frühzeitig klären, was möglich ist, damit gute Ideen sicher geteilt, weiterentwickelt und in die Anwendung gebracht werden können.
Dialog statt Einbahnstraße
Den Abschluss bildet eine gemeinsame Q&A-Session. Fragen werden während der Veranstaltung im Chat gesammelt und gemeinsam aufgegriffen; Themen, die einer vertieften Prüfung bedürfen, können im Nachgang gesondert beantwortet werden.
Gerade dieser offene Austausch ist zentral: Denn viele Fragen entstehen erst dort, wo unterschiedliche Disziplinen, Projekte und Perspektiven aufeinandertreffen.
GendiMedNet schafft dafür einen Raum, in dem Datenforschung, Recht und wissenschaftliche Praxis miteinander ins Gespräch kommen.
Die Zukunft geschlechtersensibler Forschung braucht mehr als neue Erkenntnisse. Sie braucht gemeinsame Standards, rechtliche Sicherheit, verantwortungsvollen Umgang mit Wissen und ein Netzwerk, das aus unterschiedlichen Perspektiven gemeinsame Lösungen entwickelt.
Forschung verbindet. Vertrauen macht Zusammenarbeit möglich. Und gute Strukturen sorgen dafür, dass aus einzelnen Projekten nachhaltiges Wissen für viele werden kann.

