2. Oktober 2026: Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf
Wenn Medizin Unterschiede nicht mitdenkt, wird sie ungenauer
Warum geschlechtersensible Gesundheitsversorgung eine Frage von Daten, Forschung und Versorgung ist
Was wäre, wenn unser medizinisches Wissen nicht für alle Menschen gleichermaßen gilt? Wenn Symptome unterschiedlich auftreten, Medikamente anders wirken oder Krankheitsrisiken variieren – und wir diese Unterschiede nicht systematisch erfassen?
Dann liegt das Problem nicht bei den Patientinnen und Patienten. Es liegt in unseren Daten, unseren Studien, unseren Leitlinien und unserem Verständnis davon, was medizinischer Standard ist.
Genau diese Perspektive steht im Mittelpunkt der Veranstaltung „Geschlechtersensible Gesundheitsversorgung – Unterschiedlich behandelt, besser versorgt!“ der Ärztekammer Nordrhein am 2. Oktober 2026 in Düsseldorf. Eingeführt und moderiert wird die Veranstaltung von Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione, Professorin für Geschlechtersensible Medizin an der Medizinischen Fakultät OWL der Universität Bielefeld und der Radboud University Nijmegen.
Für wen gilt unsere Evidenz?
Geschlechtersensible Medizin ist weit mehr als „Medizin für Frauen“. Sie untersucht, welchen Einfluss biologisches und soziales Geschlecht auf Gesundheit, Krankheitsentstehung, Diagnostik, Therapie und Versorgung haben.
Damit verändert sich eine zentrale Frage:
Nicht nur: Was ist der medizinische Standard? Sondern: Für wen gilt unsere Evidenz – und für wen möglicherweise nicht?
Sabine Oertelt-Prigione bringt diesen Perspektivwechsel prägnant auf den Punkt: „Aus Unterschieden können wir viel lernen.“ Unterschiede sichtbar zu machen, bedeutet dabei nicht, Menschen pauschal unterschiedlich zu behandeln. Es bedeutet, medizinisch relevante Unterschiede wissenschaftlich zu erkennen und dort zu berücksichtigen, wo sie für eine gute Versorgung entscheidend sind.
Geschlechtersensible Medizin beginnt bei den Daten
Für GenDiMedNet ist genau das ein zentraler Ansatzpunkt. Denn geschlechtersensible Medizin beginnt nicht erst im Behandlungszimmer, sondern bereits bei der Forschungsfrage und Datenerhebung.
Wenn Geschlecht nicht sinnvoll erfasst wird, relevante Einflussfaktoren fehlen oder Daten aus verschiedenen Projekten nicht vergleichbar sind, entstehen Wissenslücken. Diese ziehen sich durch die gesamte Innovationskette:
Forschung → Daten → Evidenz → Technologie → Versorgung.
Oder einfacher gesagt:
Was wir nicht erfassen, können wir nicht vergleichen. Was wir nicht vergleichen können, können wir schwer verstehen. Und was wir nicht verstehen, können wir nicht zuverlässig in bessere Versorgung übersetzen.
Deshalb sind Datenqualität, Standardisierung und Interoperabilität keine rein technischen Themen. Sie sind eine Voraussetzung für geschlechtersensible Forschung und Versorgung.
Von der Forschung in die Versorgung
Doch bessere Daten allein reichen nicht. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen in Leitlinien, Versorgungspfade und klinische Entscheidungen gelangen.
Auch hier setzt die Arbeit von Sabine Oertelt-Prigione an: Leitlinien sind ein wichtiger Hebel, um geschlechtersensible und inklusive Evidenz tatsächlich in der Versorgung zu verankern.
Genau diese Verbindung ist für GenDiMedNet entscheidend: Geschlechtersensibilität muss entlang des gesamten Innovationsprozesses mitgedacht werden – von der Datenerhebung über Standards und Technologien bis hin zur späteren Anwendung.
Dabei geht es nicht darum, für jede Person eine völlig andere Medizin zu entwickeln. Es geht darum, zu erkennen, welche Unterschiede medizinisch relevant sind – und sicherzustellen, dass unsere Daten und Technologien diese Unterschiede abbilden.
Die Zukunft der Medizin ist kontextsensibel
Personalisierte Medizin wird häufig mit Genomdaten, Biomarkern oder künstlicher Intelligenz verbunden. Doch echte Individualisierung beginnt bereits viel früher: bei der Frage, welche Faktoren Gesundheit beeinflussen und wie wir sie wissenschaftlich erfassen.
Geschlecht ist dabei eine wichtige Dimension – neben vielen weiteren Kontextfaktoren.
Die Veranstaltung in Düsseldorf setzt deshalb ein wichtiges Signal: Geschlechtersensible Gesundheitsversorgung ist kein Spezialthema am Rand der Medizin. Sie gehört in Forschung, Lehre, Leitlinienentwicklung, Technologieentwicklung und Versorgung.
Und genau hier setzt GenDiMedNet an:

